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„Nein, alles gut. Wenn ich etwas habe, dann rufe ich.“

Über das Ankommen in fremden Küchen, die Nervosität vor einem Dinner und die Frage, wann Gastgeber ihren eigenen Abend genießen können.

Marius Mutschinski lächelnd
munique.chef · private dining

„Kann ich noch etwas helfen?“

Diesen Satz höre ich als Privatkoch oft. Gerade wenn ich zum ersten Mal in einem Haus bin. Meine Antwort ist meistens dieselbe: „Nein, alles gut. Wenn ich etwas habe, dann rufe ich.“

Das klingt erst einmal nach einer beiläufigen Antwort zwischen Auspacken und Vorbereiten. Für mich steckt darin aber etwas Wesentliches: Sie müssen jetzt nicht die ganze Zeit für mich bereitstehen.

Wer jemanden zum Kochen ins eigene Zuhause holt, lässt einen zunächst fremden Menschen ziemlich nah an sich heran. Ich arbeite in der Küche, öffne Schränke, brauche Platz und bewege mich durch Räume, die sonst der Familie gehören. Dass dabei anfangs eine gewisse Nervosität entsteht, kann ich gut verstehen. Besonders, wenn jemand selten ein Dinner veranstaltet oder zum ersten Mal einen Privatkoch engagiert.

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In einem fremden Zuhause ankommen

Deshalb beginnt meine Arbeit damit, mich zu orientieren.

Wenn ich ein Haus betrete, nehme ich vieles gleichzeitig wahr. Wie sieht es aus? Wie riecht es? Welche Stoffe, welche Materialien prägen die Räume? Ist es ein Landhaus oder eine moderne Villa? Wie sind die Gastgeber gekleidet, wie begrüßen sie mich, wie geben sie sich?

Daraus lässt sich natürlich kein Mensch vollständig lesen. Aber es gibt mir ein Gefühl dafür, wo ich gerade bin und wie ich mich in diesem Zuhause bewegen sollte. Ich komme mit meinem Handwerk und meiner Erfahrung. Gleichzeitig bin ich bei jemandem zu Gast.

Diese Aufmerksamkeit gehört für mich zur Arbeit genauso selbstverständlich wie die Vorbereitung des Menüs.

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Helfen, ohne selbst zur Aufgabe zu werden

Ich versuche, möglichst eigenständig zurechtzukommen. Vieles erschließt sich mit der Zeit und mit Erfahrung. Küchen sind unterschiedlich, folgen aber häufig einer ähnlichen Logik. Wenn ich Besteck oder Porzellan nicht finde, frage ich kurz. Es wäre unsinnig, minutenlang Schränke zu durchsuchen, nur um keine Frage stellen zu müssen.

Entscheidend ist für mich, dass die Gastgeber nicht das Gefühl bekommen, sie müssten meinen Einsatz begleiten. Wer ständig erklären, suchen oder die nächste Entscheidung treffen soll, bleibt beschäftigt. Genau davon möchte ich ihnen möglichst viel abnehmen.

Dabei hilft mir meine Erfahrung aus der Küche, der Hotellerie und der Arbeit in privaten Haushalten. Sie gibt mir Ruhe, auch wenn die Umgebung neu ist. Ich muss mich erst zurechtfinden, aber ich fange nicht jedes Mal bei null an.

Diese Ruhe möchte ich weitergeben. Allerdings reicht es nicht, einmal „alles gut“ zu sagen. Die Menschen müssen im weiteren Verlauf merken, dass sie sich darauf verlassen können. Dass ich selbstständig weiterarbeite. Dass ich frage, wenn tatsächlich etwas fehlt. Und dass sie nicht vorsorglich in meiner Nähe bleiben müssen.

Festlich gedeckte Tafel mit Blumendekoration
Gastlichkeit beginnt nicht erst am Tisch.munique.chef
Schwarz-Weiß-Porträt von Marius Mutschinski

Was meistens unsichtbar bleibt

Was auf den Bildern eines Dinners fehlt

Ich finde, dieser Teil unserer Arbeit wird leicht unterschätzt, weil er sich kaum fotografieren lässt. Auf Bildern sieht man den gedeckten Tisch und die fertigen Teller. Wie viel Aufmerksamkeit nötig ist, damit jemand im eigenen Zuhause Verantwortung abgeben kann, bleibt meistens unsichtbar.

Für mich liegt genau darin ein großer Teil guter Gastlichkeit. Natürlich soll das Essen überzeugen. Dafür werde ich als Privatkoch gebucht, und daran lasse ich mich messen. Aber zu einem gelungenen Abend gehört auch, dass die Gastgeber Zeit und Aufmerksamkeit für die Menschen haben, die sie eingeladen haben.

Wenn ich also sage: „Wenn ich etwas habe, dann rufe ich“, meine ich das genau so. Bis dahin dürfen sie mich in der Küche arbeiten lassen und sich ihren Gästen widmen.

Dafür bin ich da.

Marius Mutschinski

Worum es mir geht

Ein guter Abend gehört den Menschen am Tisch.